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05. – 15. Februar 2009

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Berlinale Thema
Das Berlinale Schulprojekt: ?Da ist mehr drin.?

Freudige Erwartungen am Roten Teppich von Generation
Jedes Jahr füllen die Filme von Generation die Berlinale-Kinos mit einem jungen, begeisterten Publikum. Man könnte also annehmen, dass man bei Kindern und Jugendlichen offene Türen einrennt, wenn man ihnen sagt, „Komm, wir gehen ins Kino!“. Aber Sektionsleiterin Maryanne Redpath weiß, dass der große Zuspruch von über 50.000 Zuschauern pro Festival keineswegs selbstverständlich ist. „Wir haben schließlich keine Harry Potter Filme im Programm, die mit einem riesigen PR-Budget auf den Markt kommen“, gibt sie zu bedenken. „Im Gegenteil, wir begeistern unser Publikum für oftmals vollkommen unbekannte Filme aus allen Winkeln der Welt, von denen einige in Deutschland nur auf dem Festival gezeigt und dann nie wieder zu sehen sein werden.“
 
Generation pflegt traditionell eine sehr starke Verbindung zu den Berliner Schulen. „Ein Geheimnis unserer vollen Kinos ist, dass viele Berliner Schulen auf unser Programm regelrecht warten und ein Besuch beim Festival mittlerweile zum normalen Jahresablauf gehört“, sagt der stellvertretende Sektionsleiter Florian Weghorn. Er verleugnet aber auch nicht, dass dem eine lange Überzeugungsarbeit vorangegangen ist. „Es war ein hartes Stück Arbeit, unser Programm so positiv zu besetzen, dass Lehrer mit ihren Klassen hierher kommen, ohne die Filme vorher gesehen zu haben.“ Viele Lehrer bereiten sich gezielt auf einen fruchtbaren Einsatz der Filme im Unterricht vor. „Wir schätzen dieses Engagement und versuchen die Lehrer, wo es geht, zu unterstützen“, sagt Florian Weghorn, „aber natürlich gibt es für einen Film, der seine Weltpremiere in Berlin begeht, noch nicht das fertige Booklet mit Unterrichtsbeispielen. Hier sind wir darauf angewiesen, dass die Lehrer selbst aktiv werden und generelles Vertrauen gewinnen, Filme im Unterricht zu behandeln.“ Genau dort setzt seit 2004 das Schulprojekt der Berlinale an, in dem eine jährlich wechselnde Gruppe von Lehrern Methoden ganz praktisch erproben können und ihre Erkenntnisse im Nachhinein einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.
 

Die Schüler dort abholen, wo sie sind  

„Gemeinsam mit unserem Projektleiter, dem Filmpädagogen Dr. Martin Ganguly, waren wir der Meinung, dass bei unseren Filmen medienpädagogisch noch mehr drin ist“, erläutert Maryanne Redpath. Die am Projekt beteiligten Lehrer können sich die Filme des Generation-Programms bereits im Vorfeld des Festivals ansehen. Im Gespräch mit dem Projektleiter wählen sie sich dann einen Film aus, der ihnen für ihre Klasse besonders geeignet erscheint. Martin Ganguly legt dabei großen Wert darauf, mit den Filmen die Kinder dort abzuholen, wo sie gerade stehen - auch in ihrem Unterrichtsstoff. So ergeben sich sehr unterschiedliche Herangehensweisen an die Filme.
Ein Publikum wie kein anderes!
Maryanne Redpath: „Unsere Antrittsbehauptung war: Wenn wir Lehrern ein bisschen mehr Zeit und Hilfe geben, sich mit den Filmen auseinander zu setzen, dann können sie selbstständig differenzierte Einsatzformen für die Filme entwickeln.“ Hat sich diese Hoffnung erfüllt? „Wir sind sehr glücklich über die Ergebnisse der vergangenen Jahre. Es ist beeindruckend zu sehen, was die einzelnen Schulklassen mit unseren Filmen tatsächlich anfangen können.“ Je nach Thema und Schwerpunktsetzung werden die Filme soziopolitisch, historisch oder unter künstlerischen Gesichtspunkten betrachtet; es werden am Film orientierte Rollenspiele und Theaterstücke entwickelt oder etwa ein ganz neuer Kontext durch den Vergleich eines Films mit einem ähnlich gelagerten literarischen Werk eröffnet.
 
Immer häufiger wird ein Film auch in mehreren Schulfächern gleichzeitig bearbeitet. So besucht eine Klasse die Berlinale und beschäftigte sich dann einmal in Biologie und einmal im Religionsunterricht damit. Die Rückmeldungen haben gezeigt, dass die Diskussion auch innerhalb des Kollegiums dadurch eine neue Qualität gewinnt. Besonders freut sich Florian Weghorn aber, dass der offene Projektgedanke auch auf die Schüler übergegriffen hat. „Viele Schüler sind selber initiativ geworden und haben gesagt: ‚Wir wollen zu dem Film noch andere Dinge erarbeiten und zum Beispiel unsere Eltern befragen.’ Im konkreten Fall entstand eine Interviewreihe über Erfahrungen als Immigranten.“
 
Kaum verwunderlich, dass das Schulprojekt Schule macht: Jährlich liegen Generation weit mehr Anfragen vor, als befriedigt werden konnten. Mit der Unterstützung durch "Vision Kino" können jährlich rund 50 Lehrer.aller Schultypen und aus allen Stadtgebieten Berlins daran teilnehmen. Über seine Website  www.visionkino.de bietet das bundesweite Netzwerk für Film- und Medienkompetenz Lehrern über das ganze Jahr zahlreiche weitere Informationen und Hilfsmittel für die allgemeine Arbeit mit Filmen im Unterricht.
 
Maryanne Redpath resümiert: „In erster Linie soll ein Besuch bei der Berlinale Spaß machen und einem ein paar Gedanken ins Gepäck stecken, die man mit nach Hause oder eben auch in den Schulunterricht tragen kann. Das initiiert einen Lernprozess ganz ohne den berühmten pädagogischen Zeigefinger.“
 
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