
Manfred Salzgeber war langjähriger Leiter der Sektion Panorama der Internationalen Filmfestspiele Berlin und einer der wesentlichen Gestalter des Festivals.
Salzgeber wurde 1943 in Lodz geboren. Er gehörte zu den Gründungs- und Identifikationsfiguren der neueren Schwulenbewegung in Deutschland. 1969 wirkte er als Schauspieler in Rosa von Praunheims Film Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt mit, der zum Auslöser einer neuen politischen Schwulenbewegung wurde und immer noch eine Perle des schwulen Films ist. Seither war Manfred Salzgeber ein unermüdlicher Arbeiter für die schwule und lesbische Filmkunst und hat eine solche Begrifflichkeit überhaupt mit geprägt und etabliert.
1969 war er Mitbegründer des Internationalen Forums des Jungen Films, das ursprünglich als Gegenfestival zur Berlinale gedacht war und dann 1971 in diese integriert wurde. 1973 machte Salzgeber aus dem Bali-Kino in Berlin-Zehlendorf das erste Programmkino Deutschlands. Im „Deutschen Herbst“ Mitte der Siebziger Jahre, als viele Intellektuelle ins Visier willkürlicher Terrorismus-Rasterfahndungen gerieten, ging Salzgeber nach Amsterdam. 1979 wurde er von Berlinale-Direktor Moritz de Hadeln zur Rückkehr bewegt. De Hadeln übertrug ihm die Aufgabe, die so genannte „Info-Schau“ des Festivals zu einer eigenständigen Programmsektion auszubauen. 1986 wurde die Info-Schau in Panorama umbenannt. Bis heute sind die thematischen Weichenstellungen von Manfred Salzgebers engagierter Arbeit im Panorama-Programm lebendig.
1985 gründete Salzgeber den Filmverleih „edition manfred salzgeber“, mit dem er sich einem breiten Spektrum von Filmen widmete, die von größeren Verleihen typischerweise vernachlässigt wurden. Ein wichtiger Teil der Arbeit des Verleihs galt der filmischen Repräsentation der Aids-Thematik. Salzgeber war der Entdecker vieler Filme und Filmemacher des schwul-lesbischen Genres, die längst zu Klassikern des unabhängigen Films geworden sind. Der Filmverleih hat sein Büro unter dem leicht veränderten Namen „Salzgeber & Co. Medien GmbH“ nach wie vor in Berlin.
Manfred Salzgeber starb am 12. August 1994 an den Folgen von Aids.
Im Jahr 1999 würdigte die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst in ihrer Reihe "Unterbrochene Karrieren" das Leben und das Werk Manfred Salzgebers mit einer umfangreichen Ausstellung und Filmreihe, die im drauf folgenden Jahr noch einmal auf der Berlinale gezeigt wurde. Aus diesem Anlass wurde auch der "Manfred Salzgeber Preis" ins Leben gerufen, der nun jährlich an einen die Grenzen des Kinos erweiternden Spiel- oder Dokumentarfilm im Panorama verliehen wird. Der Preis hat einen Sachwert von 25.000 Euro und wird seit 2006 gestiftet von Holland Subtitling, Babelfisch Translations und Digital Cinema Services.
















































